Vertrauen

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Asozial mit Hund?

Wir haben zwei kleine Hunde. Zusammen wiegen sie ungefähr elf Kilo, d.h. so viel Hund, wie ich allein tragen kann. Ich bin verantwortungsbewusst und deshalb war mir wichtig, dass ich meine Hunde immer im Notfall tragen kann und zu jeder Zeit stärker bin als sie.

Meine Hunde sind Steuerzahler und haftpflichtversichert. Sie sind gechippt und ausreichender geimpft als mancher Mensch. Sie haben keine Flöhe, Zecken oder anderes Getier, weil sie regelmäßig mit den entsprechenden Mitteln behandelt werden. Noch nie ist irgendwo ein Haufen meiner Hunde liegen geblieben und noch nie sind meine Hunde irgendwo frei gelaufen, wo es verboten ist. Sie waren in der Hundeschule und sind sozialverträgliche Wesen.

Doch ich fühle mich trotzdem immer wieder wie ein asoziales Randgruppengeschöpf, weil meine Mitmenschen mich entsprechend behandeln. Wenn uns auf dem Fußweg jemand entgegen kommt, wird in der Regel erwartet, dass ich sofort mit beiden Hunden an die Seite springe und diesen Bürger vorbei lasse. Ich spreche hier nicht von einem gehbinderten Menschen sondern von gesunden Mitbürgern, die fast immer sogar viel jünger sind als ich. Noch nie hat sich jemand bedankt, wenn ich ihm so großzügig den Vortritt ließ und ich erwarte es auch gar nicht. Dabei ist es im Winter im Schnee oftmals harte Arbeit, beide Hunde an die Seite zu drängen und dabei selbst nicht zu fallen, wenn nur viel zu schmale Wege frei geschaufelt wurden. Ich mache es trotzdem und meine Hunde sind es mittlerweile gewohnt. Dennoch bin ich des Öfteren angeblafft worden, wenn der Weg sehr eng war und einer meiner kleinen Hunde mal kurz versucht hat, am Hosenbein des Entgegenkommenden zu schnüffeln oder diesen sogar einfach nur freundlich angewedelt hat. „Nehmen Sie Ihre Töle da weg!“

Wenn ich einen Kotbeutel in einen öffentlichen Mülleimer werfe, z.B. an einer Bushaltestelle, höre ich folgende Sprüche: „Was fällt Ihnen ein, das stinkt doch! Tun Sie das woanders hin!“ Also suche ich eine Mülltonne, die irgendwo aufgestellt ist, wo keine Menschen stehen.

Meine Hunde werden viel ausgeführt. Meine Hündin macht ihr kleines Bächlein irgendwo am Wegesrand auf sogenannten Grünstreifen, die meist aus Unkraut bestehen. Sie ist also eine Unkrautvernichterin und sogar eine klimaneutrale. Mein kleiner Rüde markiert, wie es Rüden nun mal tun, egal, ob kastriert oder unkastriert. Das heißt, dass er dort, wo ein anderer Hund war, ebenfalls sein Bein hebt. Man kann sich denken, dass nach einer halben Stunde Spaziergang das Markieren nur noch Show ist, weil die Hundeblase längst leer ist. Dennoch werde ich deshalb immer wieder heftig angegangen. Ein Mann rennt hinter mir her, weil mein Rüde sein Bein an einem dreigeschossigen Mehrfamilienhaus mit mindestens 24 Wohneinheiten gehoben hat. Ich sehe diese Markierungsspur kaum, denn wir sind schon lange unterwegs.  Doch hier war ein anderer Hund und daher muss meiner sein Bein heben. Der Mann brüllt mit hochrotem Kopf: „Hey, passen Sie gefälligst auf den Hund auf! Der hat ans Haus gepisst!“ Ich schaue mir den Mann an und denke mir sogleich, dass es wenig Sinn machen dürfte, mit diesem wahnsinnig ausschauenden Mitbürger in eine fruchtbare Debatte zu treten. Also schüttele ich innerlich ganz heftig den Kopf und äußerlich nur leicht. Der Typ gibt jedoch keine Ruhe und hastet laut schreiend hinter mir her. „Wenn der Hund jeden Tag dahin pisst, geht das Mauerwerk kaputt und das Haus stürzt zusammen!  Sie haben gefälligst auf Ihren Hund aufzupassen, oder soll ich zu Ihnen kommen und an Ihr Haus pissen?“

Meine Hunde laufen ungerührt weiter neben mir her und wir sehen vor uns einen Schäferhund, der gerade sein Bein an den mit Pflanzen durchrankten Zaun der klösterlichen Bleibe hebt. Genau an dieser Stelle will mein Rüde natürlich auch markieren, doch in diesem Moment kommt eine Nonne um die Ecke geschossen und herrscht mich an: „Wenn Ihr Hund dahin macht, rostet der Zaun. Nehmen Sie den da weg!“ Von Zaun ist kaum etwas zu sehen, weil dieser umrankt ist. Was macht die Nonne wohl, wenn es geregnet hat? Bringen die nassen Pflanzen den Zaun nicht eher zum Rosten als zwei Tropfen Hundeurin?

Da kommt mir eine Frau entgegen, die ich nicht sofort gesehen habe und daher nicht umgehend zur Seite gesprungen bin. Sie muss eine Zehntelsekunde warten, bis ich meine Hunde an diesen Zaun gedrückt habe, an den mein Rüde nicht pinkeln darf. „Können Sie nicht Platz machen? Wenn Sie schon zwei Hunde haben, müssten Sie erst recht aus dem Weg gehen!“

Mit Hund ist man asozial, das lerne ich seit Jahrzehnten täglich neu in dieser Stadt und mit zwei Hunden hat man offensichtlich nicht mal mehr eine Berechtigung, sich in die Öffentlichkeit zu wagen.

 

 

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