Trauer um ein Tier

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Ich erinnere mich noch wie heute an den Tag, als mich meine Mutter anrief und unter Tränen erzählte, dass unser 12jähriger Dackel Axel eingeschläfert worden sei. Die Zeit danach war vor allen Dingen für meinen Stiefvater eine riesengroße Qual. An Axels Todestag stand er im Garten und schaufelte hemmungslos schluchzend eine tiefe Grube, in der schließlich der Schuhkarton mit dem toten Rauhaardackel landete. Mein Stiefvater hat seinen Hund stets über alles geliebt und sein Dackel war für ihn mindestens ebenso wichtig wie seine Menschenfamilie. Nicht selten hatte der Hund sogar Vorrang vor seinen Menschen. Der Dackel war sein „Junge“. Nun war Axel nicht mehr da und seine Menschen waren untröstlich. Herrchen grübelte Tag und Nacht, ob er etwas falsch gemacht hatte, weil der Hund zuletzt so heftig an Rheuma litt, dass er sich kaum  noch bewegen konnte. Der Hund hatte ihm ja nie sagen können, ob   und woran es ihm fehlte. Der Hund hatte ihm auch nicht signalisieren können, dass es nun Zeit für diesen letzten, endgültigen Weg war. Vielleicht hätte er trotz aller Beschwerden noch gern ein Weilchen gelebt? Mein Stiefvater und meine Mutter fühlten sich ein wenig wie Axels Henker. Lange hatten sie diese Entscheidung vor sich her geschoben und sich immer wieder mit dem Tierarzt besprochen.  Als dieser eines Tages sagte, dass der Hund nur noch leiden müsste, entschlossen sie sich schließlich zur Euthanasie. Dieser aus dem Griechisch stammende Begriff ist bei uns sehr negativ mit dem Dritten Reich behaftet. Dabei ist seine ursprüngliche Bedeutung „guter, leichter Tod“. Euthanasie ist die gebräuchliche Bezeichnung für das Einschläfern von todkranken Tieren. Wir Menschen sind befugt, einem schwer leidenden Tier diese Art der Sterbehilfe durch probate Medikamente zu gewähren. Dennoch wissen wir niemals, ob das Tier nicht doch noch hätte leben wollen, egal wie groß seine Schmerzen waren. Die letzte Gewissheit fehlt und sie macht uns unruhig, schuldbewusst und unfähig, den Tod des Tieres so zu akzeptieren, wie wir z.B. den Tod der 98jährigen schwer krebskranken und seit fünf Jahren bettlägerigen Oma akzeptieren können. Todkranke Menschen werden heutzutage würdig in den Tod begleitet und wer Sterbende begleitet, erlebt sehr häufig, dass sich der Sterbende mit seinem Ende abgefunden hat und ohne Groll gehen kann. Kinder, die sterben müssen, arrangieren sich sogar erstaunlich gut mit ihrem Schicksal und helfen nicht selten ihren Eltern noch zu Lebzeiten, ihr Weggehen anzunehmen.  Daher ist es für uns Menschen auch viel schwieriger, ja fast unmöglich, den gewaltsamen Tod oder Unfalltod eines geliebten Menschen zu akzeptieren, weil wir wissen, dass dieses Schicksal vom Verstorbenen nicht akzeptiert worden wäre. So ähnlich ergeht  es uns beim Haustier. Wir können trotz aller Nähe nicht menschlich mit unserem Tier kommunizieren und bekommen niemals die Gewissheit, dass unser Tier bereit war für seinen Abschied. Meines Erachtens ist es daher sehr wichtig, dem Tier beizustehen, wenn es eingeschläfert wird. Wir werden erleben, wie friedlich dieses Hinübergleiten in den Tierhimmel ist und das kann uns ein wenig Trost geben. Außerdem bin ich der Meinung, dass man diesen letzten Gang seinem Tier schuldig ist.   

 
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