Trauer, die nie endet

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Getrauert wird unterschiedlich. Menschen trauern anders als Hunde und andere Säugetiere. Männer trauern anders als Frauen. Kinder trauern anders als Erwachsene. Doch alle, die dem Tod begegnen, werden irgendwann trauern müssen. Mitunter wehren wir uns solange gegen die Macht der Trauer, bis sie uns krank und depressiv gemacht hat. Mitunter schreien wir sie von der ersten Minute an hinaus in die Welt und gönnen uns nie eine Sekunde Atempause, die Trauer einmal loszulassen und wieder das Tageslicht und Normalität zu erleben.

Beides ist schädlich. 


Trauer kann so viel. Sie kann uns hinunterziehen ins dunkelste Loch, um uns ganz langsam und unter großen Qualen wieder ans Tageslicht zu zerren. Sie kann uns gefangen halten, bis wir völlig isoliert und introvertiert keine Außenkontakte mehr zulassen können. Sie kann uns zeigen, wie gut Tränen und der Trost/die Umarmung, das Aufgefangen-werden durch andere tun. Sie kann uns aber auch zeigen, wie entsetzlich einsam und ohne Freunde wir bisher gelebt haben, weil in unserem größten Leid niemand da ist.


Trauer braucht Zeit, Trauer braucht Struktur, Trauer muss ihren Weg finden können. 

Wir müssen alle Phasen der Trauer systematisch zulassen und durchleben, um wieder gesund und hoffnungsvoll zu werden. Wir müssen den Schmerz, die Ups and Downs ertragen, die Einsamkeit, die schier unaushaltbare Sehnsucht nach dem Verstorbenen und immer wieder das Erkennen dieser Endgültigkeit durch den Tod.

Daran scheitern sehr viele, denn wer will sich schon damit abfinden, dass der geliebte Mensch, das geliebte Tier für immer aus unserem Leben verschwunden ist und nur noch Erinnerung und allenfalls ein Grab zurückbleiben? Sich damit abzufinden, erscheint mir auch heute noch das Allerschwerste zu sein. Wie oft habe ich nachts weinend am Korb meines Hundes gesessen und mir so sehr gewünscht, ihn noch einmal kraulen, streicheln, riechen zu können. Wie oft habe ich an den wenigen, mir überlassenen Kleidungsstücken meiner Mama gerochen, die nach 10 Jahren immer noch ihren eigenen typischen Geruch trugen und es hat mich fast zerrissen zu wissen, dass ich sie nie wieder sehen, sprechen, umarmen kann. 

Wie oft habe ich mir sowohl unter Weinkrämpfen als auch wie erstarrt das Gesicht meines Kindes vorgestellt, das ich tot zur Welt bringen und nie kennenlernen durfte.....


Das alles sind Situationen, die wir aushalten müssen und dies zu lernen, ist eine Lebensaufgabe. Und bei den meisten Menschen bleibt es nicht bei einem Todesfall, die Lebensaufgaben verdoppeln, verdreifachen....sich. Wir müssen alles aushalten und das können wir nur, wenn wir lernen, wie wir es ertragen, ohne daran zu zerbrechen. 


Verluste geschehen unterschiedlich, das heißt, wir begegnen dem Tod mit und ohne Vorbereitung, sanft oder brutal, erlösend oder gegen den Willen des Verstorbenen. Wer jemanden begleitet hat, der ein langes Leiden hinter sich hat und sich danach sehnt, endlich sterben zu dürfen, der kann leichter loslassen, als wenn der geliebte Mensch morgens gesund aus dem Haus geht und abends nicht mehr heimkehrt. Ebenso ist es mit der Trauer um unser Haustier. Ein Hund, der mit fünf Jahren ungestüm und voller Lebensfreude von einem Auto erfasst und getötet wird, ist nicht freiwillig gegangen und wir werden sehr lange brauchen, um uns mit diesem grausamen Abschied abzufinden. Vielleicht schaffen wir es nie so ganz und werden immer eine schmerzende Wunde mit uns herum tragen. 

Ein Hund, der 15 Jahre und länger bei uns war und dann krank und schwach wird, nicht mehr fressen und spielen mag, der zeigt uns mit einem tieftraurigen Blick, dass sein Leben nun vorbei ist und wir ihm helfen sollen, ihn zu erlösen. Dieser Schritt war für mich immer ein unvorstellbar schwerer, denn ich kann und konnte mir nie vorstellen, diesen Auftrag zum Töten meines eigenen Tieres zu geben, auch wenn ich wusste, mein Tier will es so.

Der Mensch als Herrgott über Leben und Tod? Es kam mir nie richtig vor, dennoch habe ich es eines Tages tun müssen und war dankbar, dass mein Hund mir durch einen vorangegangen Herzstillstand, aus dem wir ihn noch einmal zurückholen konnten, gezeigt hat, dass er nun von mir gehen muss. Sein Tod war überflüssig und ging zu Lasten eines Notarztes, der keine Lust hatte, in die Praxis zu kommen. 

Mit diesem Ende bin ich bis heute nicht zurecht gekommen. Gleichwohl habe ich getrauert, so wie es die Trauer von mir verlangte. Ich habe geweint, geklagt, geschrien oder saß stumm und bewegungslos herum und wollte niemanden an mich heranlassen. Anfangs habe ich nicht genug davon bekommen, jedem zu erzählen, was geschehen war. Später konnte ich es nicht mehr erzählen und bin nicht mehr vor die Tür gegangen. 

Ich habe meinem Hund ein Grab gegeben, ich habe seine Urne ausgesucht und ich habe einen Strauch auf sein Grab gepflanzt und dieses Grab besucht, wann immer mir danach war. Die Tränen kommen mir heute noch, wenn ich an ihn denke und seine Qualen der letzten Nacht erinnere. Ich habe mich nie auch nur einer einzigen Träne geschämt!


Zu meiner Trauer gehörte auch, dass ich - entgegen sämtlicher Vorsätze - bereits eine Woche nach dem Tod meines Hundes einen neuen Welpen suchte. Heute sind es zwei, die ich auch eines Tages wieder gehen lassen muss und schon jetzt ergreift mich mitunter die Angst, wie ich das noch einmal, zweimal aushalten soll. Aber dann sehe ich die Freude, die Liebe, das Glück, den Spaß, den ich durch meine Hunde habe und weiß, es lohnt sich, dieses unfassbare Leid irgendwann wieder auszuhalten. Dagegen steht ein hoffentlich sehr langes Hundeleben, das meine Hunde und mich erfüllt und einen von uns zurücklässt.



Fortsetzung folgt.....


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