Meine Trauer um Anton

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Nun habe ich es selbst erlebt und bin immer noch in allertiefster Trauer um meinen heiß geliebten Dackel Anton, der am 06.04.2020 starb. Sein Tod war für mich zwar erwartbar, aber dieses Ende war so überflüssig, wie es sein kann, wenn ein Notarzt abends keine Lust hat, in die Praxis zu kommen und irgendwelche Telefondiagnosen stellt.
Anton hatte einen unglaublichen Leidensweg und ich bin mit verantwortlich, dass seine letzten Stunden einen Todeskampf darstellten, den ich nie im Leben vergessen werde. Nachts holen mich Bilder ein, die ich so gern verdrängen würde: Mein Hund, der japsend, verzweifelt um Atem ringend vor mir stand und dessen Augen mich hilflos und verständnislos ansahen. Ich war 13 Jahre und 9 Monate sein Frauchen, das sich immer um ihn gekümmert hat, auf das er bauen konnte, wenn es ihm schlecht ging. Ich war immer da, doch zum Schluss habe ich nicht bzw. zu spät reagiert.
 
Anton war ein lebenslang kranker Hund. Er hatte ungezählte Futtermittelunverträglichkeiten und hat immer nur eine Zeitlang irgendein besonderes Futter vertragen. Alle paar Monate musste ein neues Futter gefunden werden, bis wir die letzten Jahre endlich dank unseres hervorragenden Tierarztes ein medizinisches Futter hatten, das er bis zum Schluss vertrug. Trotzdem ist ein Dackel ein Staubsauger und zieht sich alles rein, was er so findet. Für Anton bedeutete jedes Körnchen, das er fand, wieder Bauchweh, Durchfall, Erbrechen.
In seinem letzten Lebensjahr hat er draußen eine Maulschlinge tragen müssen. Dadurch wurde sein Leiden erheblich besser, aber für ihn war es anfangs natürlich eine Zumutung und wir brauchten sehr lange, ihn daran zu gewöhnen.
Anton hatte eine Mitralinsuffizienz, die mit ca. 8 Jahren festgestellt wurde und seitdem mit Medikamenten behandelt wurde.
Viele meiner Dackel haben darunter gelitten.
Anton war mit seiner Mitralinsuffizienz symptomfrei - bis auf seine letzten Tage. Vier Tage vor seinem Tod  bekamer auf einmal Herzhusten und wurde sofort behandelt. Es ging ihm schnell wieder gut, doch zwei Tage später wurde seine Atmung schwer und schnell. Es war Samstag Nachmittag, der Tierarzt hatte geschlossen. Sonntag morgen war er wieder okay. Man merkte ihm nichts an. Nachmittags wurde sein Zustand wieder schlecht. Ich rief um 17 Uhr den Notarzt an, der mir erklärte, er habe wohl nur Kreislaufprobleme. Ich solle ihm das Entwässerungsmittel nicht geben, er sähe es eh kritisch,dieses Mittel als Dauermedikation zu geben.
Wir warteten. Anton kämpfte. Um 22:30 Uhr drehte ich ein Video von meinem leidenden Tier, sandte dies an den Notarzt und rief ihn noch mal an. Der entgegnete unfreundlich, dass er nicht bereit sei, jetzt Emails anzusehen. Ich solle den Hund irgendwo einschläfern lassen.
 
Eine halbe Stunde später entschlossen wir uns, die Tierklinik Ahlen anzurufen. Man war sehr freundlich, sehr professionell und wir rasten los.
Anton bekam im Auto einen Herzstillstand und ich hoffte für ihn, dass sein Kampf nun vorbei sein möge, doch sein Herz fing wieder an zu schlagen. Mein kleiner großer Kämpfer, du hast trotz allem Leiden immer so sehr an deinem Dackelleben gehangen und immer beispiellos gekämpft.
Als wir um Mitternacht eintrafen, war Anton in Agonie und wurde eingeschläfert. Wir verabschiedeten uns von ihm, ich regelte ganz pragmatisch mit der Klinik seine Bestattung, wählte sogar eine Urne aus und klärte den Rücktransport der Urne zu uns. Selbst die Rechnung für alles beglich ich umgehend vor Ort. Dann fuhr ich wie in Trance zurück.
 
Nun habe ich es wieder erlebt: Man kommt heim, starrt in den leeren Korb, stolpert über das Hundespielzeug, schaut in den noch mit Wasser gefüllten Napf. Anton war und ist überall. Ich räumte mitten in der Nacht in meiner Verzweiflung alles in den Keller, was ihm gehörte. Die Fotos wurden von den Wänden gerissen und ich beschloss, hier nicht mehr leben zu können und zu wollen.
Die nächsten Tage waren furchtbar. Ich hatte so lange nicht mehr geweint, jetzt heulte ich fast rund um die Uhr. Nach weniger als zwei Wochen begann ich damit, mich vollkommen zurückzuziehen und hatte fast gar keine Kontakte mehr. Da Corona ein Lock-Down beschert hatte, saß ich im Homeoffice und war allein. Während ich in den ersten Tagen über meinen Verlust sprechen wollte, war es mir nach kurzer Zeit unmöglich geworden. Auch meine Tränen flossen nun meist nach innen, aber sie flossen und fließen und ich suche "meine Pfote", wie ich ihn gern wegen seiner extrem dicken Pfoten nannte, immer noch überall.
Anton, du warst ein ganz besonderer Dackel. Du hast einen fast tödlichen Angriff eines Malinois überstanden, du hast einen Sertolizelltumor überlebt, du hast so viel mehr an Krankheiten und Verletzungen überstehen müssen, als es für ein Hundeleben "üblich" sein darf. Bei allem, was du durchgemacht hast, hast du nie deine Selbstständigkeit aufgeben wollen und mir immer gezeigt, was du von meinen Kommandos und Erziehungsversuchen hältst: Rein gar nichts! Auch dafür habe ich dich unendlich geliebt. Mit deinem Tod hast du mein Lachen mitgenommen, denn niemand hat mich so oft zum Lachen gebracht wie du. Pass auf dich auf und misch den Hundehimmel auf, wie es sich für dich gehört!
 
An dieser Stelle möchte ich unbedingt meinen Freunden, meinem wunderbaren Sohn, der ja selbst genauso betroffen war und ist, und seiner ebenso wunderbaren Freundin danken, die unermüdlich für mich da waren und immer wieder angerufen, geschrieben und sich gekümmert haben! Danke, ihr ward großartig und habt mir so gut getan!
 
 
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