Der Trauerprozess

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Wenn das geliebte Haustier stirbt, haben Herrchen und Frauchen fast immer weitere Probleme, als wenn die steinalte Oma stirbt. Ihre Trauer wird sehr häufig als übertrieben angesehen und sie haben große Mühe, sie zu legalisieren. Viele Menschen haben gar nicht die Kraft, zu dieser Tiertrauer zu stehen und verstecken ihre Tränen daher lieber. Tränen, die nach innen fließen, sind wesentlich krankmachender als gelebte, offene Trauer. Aber wer sich beim Tod des Hundes von unsensiblen Mitmenschen anhören muss: „Nun stell dich mal nicht so an, es war doch nur ein Tier…“, der schweigt lieber und macht seine Trauer nicht öffentlich. Der Trauer wird in unserer Gesellschaft ohnehin viel zu wenig Beachtung geschenkt. Die meisten Menschen wissen nicht damit umzugehen, wenn ihnen ein Bekannter weinend erzählt, dass er um seine soeben verstorbene Mutter trauert.

Wir finden nicht die richtigen Worte und wir sind peinlich berührt von den Gefühlsausbrüchen des anderen. Schreien und Wehklagen wie in südlichen Ländern wäre hier undenkbar.

Wer im öffentlichen Dienst arbeitet, bekommt 2 Tage Sonderurlaub beim Tod der Mutter oder des eigenen Kindes. Das heißt, nach zwei Tagen hat man wieder mit glattem Gesicht seinen Dienst zu tun. Angesichts dieser Nüchternheit ist es kaum verwunderlich, dass manch einer nicht einmal wagt, zuzugeben, dass das Haustier gestorben ist. Den Tod des Tieres verleugnen zu müssen, belastet zusätzlich. Die verdrängte Trauer macht sich meist erst eine lange Zeit später mit körperlichen Beschwerden wie z.B. Schlaflosigkeit, Kopf- und Magenschmerzen aber auch Hautproblemen bemerkbar.

In Bezug auf die gelebte Trauer sind wir Menschen gefühlsamputiert. Trauern ist unwirtschaftlich und daher wurde es wegrationalisiert. Während unser vierbeiniges Haustier noch sehr offensiv und mitunter ausdauernd trauert, wenn es einen Menschen verloren hat, der zu seinem Rudel gehörte, so sind wir Menschen eher selten in der Lage, instinktiv richtig und wieder gesund-machend zu trauern.

Es ist bedauerlich, dass Tierfriedhöfe kaum Anerkennung bei unseren Mitmenschen finden.

Ich halte es durchaus für sinnvoll, sein Tier zu beerdigen, sofern dies nicht so übertrieben wird wie in den USA. Alternativ kann man veranlassen, dass Bello oder Mieze eingeäschert werden und wir die Urne erhalten, die wir aufbewahren dürfen. Der Gedanke, dass der soeben verstorbene Hund in einer Tierkörperverwertungsanlage landen soll, wird uns die nächste Zeit sicher nicht leichter machen. Außerdem haben unsere treuen Gefährten es schließlich verdient, dass wir ihnen nach ihrem Tod eine Ruhestätte geben. Wer seinen Mops auf dem Tierfriedhof bestattet, sogar einen kleinen Grabstein aufstellt und Mops regelmäßig dort besucht, hat wenigstens einen Ort, an dem er hemmungslos weinen und klagen kann und sich seinem Tier wieder näher fühlt. Trauer ist ein langer Prozess und sie tut weh, wenn man sie zulässt. Lässt man sie hingegen nicht zu, tut uns irgendwann die nicht gelebte, verdrängte Trauer weh.

Trauer ist also heilsam und schmerzhaft zugleich. Anfangs überwiegt der schmerzhafte Anteil, später wird der heilsame Anteil immer größer und eines Tages tut es nur noch so viel weh, dass wir es akzeptieren können. Wer spürt, dass seine Tiertrauer belächelt wird, sollte sich Menschen suchen, die zuhören und die Trauer nachvollziehen können. Wir sollten uns unserer Tränen nicht schämen müssen, denn wir haben ein Familienmitglied verloren, das nun an allen Ecken und Enden fehlt. Wir kommen vom Tierarzt heim und zuhause steht der leere Korb und wir wissen, dass Bello nie wieder dort friedlich vor sich hinschnarchen wird.

Wer leugnet, dass dies weh tut, ist gefühlskalt und bestimmt nicht der Mensch, den wir als Freund haben wollen.

Freunde nehmen uns in unserer Tiertrauer an und – genau wie beim Tod eines geliebten Menschen – erfahren wir beim Tod unseres Tieres, wer unsere wahren Freunde sind.

 

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